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Bacharevič

Alhierd
1975
Prosa
Essay

Nach den wilden Anfängen als Texter und Sänger der ersten belarussischsprachigen Punkband Pravakacyja machte sich Alhierd Bacharevič bald auch als provokanter Lyriker einen Namen. Vom lustvollen Bruch mit Konventionen und Lesererwartungen, von Renitenz und Radikalität sind seine frühen Erzählbände geprägt. Der 2006 erschienene Erzählband Keine Gnade für Valancina H. enthält neben der Titelgeschichte noch einen weiteren umfangreichen und komplexen Text – der Romancier Bacharevič reift heran. Mittlerweile hat er sich den Ruf eines sprachmächtigen Misanthropen erarbeitet, der Wunden lieber aufreißt als sie zu lecken. Auf den Theaterroman Verdammte Hauptstadtgäste (2008) folgt mit Die Elster auf dem Galgen (2009; deutsch 2010) sein Opus magnum. Ein physiologisch gegliederter Roman über eine junge Frau, die sich als Rädchen im Staatssicherheitsdienst zunehmend selbst abhanden kommt. Ebenfalls 2009 wird Bacharevičs Übersetzung von Wilhelm Hauffs Das kalte Herz mit einem umfangreichen „Nachwort des Übersetzers“ veröffentlicht.


 

geboren 1975 in Minsk, lebt nach mehreren Jahren in Hamburg wieder in Minsk


Studium der belarussischen Philologie und Pädagogik in Minsk, Debüt als Lyriker Anfang der 1990er Jahre, Mitbegründer der avantgardistischen Bewegung Bum-Bam-Lit, seit 2000 vorwiegend schriftstellerisch tätig als Prosaautor. Gründet 2001 mit Juraś Barysievič, Valžyna Mort, Volha Hapiejeva, Illa Sin und Zmicier Višnioŭ die literarische Vereinigung Schmerzwerk. Auf den ersten Erzählband 2002 folgen bald weitere, später auch mehrere Romane. Ausgewählte Werke liegen in Übersetzungen ins Deutsche und mehrere slawische Sprachen vor. 2010 erscheint der Roman Die Elster auf dem Galgen in der Übersetzung von Thomas Weiler. Bacharevič selbst übersetzt Wilhelm Hauff, die Brüder Grimm, Kathrin Schmidt u.a. ins Belarussische.

Seine auch in Buchform erschienenen Kolumnen für den belarussischen Dienst von Radio Free Europe sorgten im Land für heftige Debatten.

Teilnahme an Literaturfestivals u.a. in Polen, Slowenien, Tschechien und Deutschland.


2002 Hliniany Viales (unabhängiger belarussischer Literaturpreis)

2006 Belarussischer Schriftsteller des Jahres (Umfrage Novaja Eŭropa)

2006 Stipendium des IHAG in Graz

2007 Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin

2007 Stipendium der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte

2008 Stipendium des P.E.N.-Zentrums Deutschland

2011 Stipendium der Heinrich Böll Stiftung

2012 Jerzy-Giedroyc-Preis (2. Preisträger)

2013 Jerzy-Giedroyc-Preis (2. Preisträger)

2015 Załataja litara

2015 "Buch des Jahres"-Preis des Belarussischen PEN (für Alindarkas Kinder)

2015 Jerzy-Giedroyc-Preis (3. Preisträger)

Альгерд Бахарэвіч
Mit wem wollen Sie nie (wieder) verglichen werden?: 

Natürlich möchte ich möglichst so schreiben, dass ich überhaupt unvergleichlich bin. Aber dafür bin ich nicht genial genug. Als Schriftsteller muss man auch Leser sein. Ich sehe mich als Schüler der großartigen alten Meister Kafka, Nabokov und Joyce und würde folgendermaßen antworten: Ich habe nicht die geringste Lust, in einem Atemzug mit zeitgenössischen lesenden Autoren genannt zu werden, für die Kafka veraltet, Nabokov prätentiös und Joyce unlesbar ist.

Früher einmal habe ich mich sehr über Vergleiche mit diversen Palahniuks und Sorokins geärgert. Am meisten stören mich wohl Vergleiche mit Gegenwartsautoren. Ich bin ein Vertreter der alten Schule.

Welches pseudonym könnte Ihnen gefallen?: 

Alhierd Bacharevič ist auch eine Art Pseudonym, laut Pass heiße ich nämlich Aleh Bakharevich, wollte man das Belarussisch lesen, käme etwas wie Aleg Bakgarevizg heraus. Mit dem Namen Bakgarevizg ist ein glückliches Leben kaum vorstellbar. Der Soziologe in mir schätzt, dass man als Ausländer in Deutschland ein Drittel seiner Zeit damit zubringt, den eigenen Namen zu buchstabieren.

Den Vornamen Alhierd hat mir Anfang der 1990er Jahre der Journalist Paŭluk Bykoŭski empfohlen. Der Nachname war ordentlich Belarussisch, nur dem Vornamen fehlte es noch an pseudonationalem Kolorit. Alhierd hieß ein berühmter Herrscher im Großfürstentum Litauen. So wurde ich also zu Alhierd und habe es nicht bereut.

Mittlerweile wäre es auch zu spät für ein anderes Pseudonym. Sollte ich mich doch noch dazu entschließen, würde ich eines wählen, das auch in lateinischer Schrift gut lesbar wäre. Etwas wie Raman Lajno, nur nicht mit so offensichtlichem Literaturbezug.

Sie schreiben belarussisch. und wovon leben Sie?: 

Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht ganz, was der Zusammenhang zwischen der Sprache, in der ich schreibe und meinem Lebensunterhalt sein soll. Gäbe es einen, würden wohl alle Englisch schreiben. Ich lebe von Honoraren für Veröffentlichungen in diversen belarussischen und ausländischen Medien, für Auftritte und Lesungen, ich bekomme etwas für den Verkauf meiner Bücher und der Rechte an den Texten, für Übersetzungen, und dann gibt es noch die Stipendien von verschiedenen Organisationen in Deutschland, die mir das Leben im selbst gewählten Exil ermöglichen, mir erlauben zu schreiben, was ich will und diese bescheidenen Honorare zu erarbeiten.

Weitere Informationen: 

Interview: Wahre Leser wollen betrogen sein (2008)

 

Autorenseite beim Leipziger Literaturverlag

 

Audio: Lesung im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2007

 

Audio: Christine Hamel: Weißrussland - Literatur und Diktatur. Alhierd Bacharevič und sein Roman "Die Elster auf dem Galgen". Bayerischer Rundfunk: kulturWelt [Bayern 2]. 11.01.2011

 

Eintrag in der deutschen Wikipedia