1947
Lyrik
Aleś
Razanaŭ
Алесь Разанаў

Aleś Razanaŭ geht gegen alle Widerstände still und beharrlich seinen Weg. Er schreibt, ohne je explizit politisch zu wirken, bereits 1970 in seinem ersten Gedichtband die Wiedergeburt des Belarussischen herbei. In Versetten, Quantemen, haikuhaften Punktierungen und gnomischen Zeichen führte er eindrucksvoll die poetische Kraft einer Sprache vor, die allzuoft belächelt oder als bäuerlich geschmäht wird. Er findet neue poetische Formen und prägt eine unverkennbare eigene Stimme aus. Die junge Lyrikergeneration hat in ihm ein leuchtendes Vorbild, an dem sie sich fruchtbar abarbeiten kann. „Reduktion, nicht Opulenz“ hat Ilma Rakusa als sein Motto ausgemacht und im Nachwort zu Das dritte Auge (2008) seine Quellen offengelegt: „Razanaŭ schöpft seine Inspiration in erster Linie aus volkstümlichen Legenden und Epen – sowie aus der Natur, doch holt er sich Anregung auch von der indischen Philosophie, von Heraklit, der Bibel und apokryphen (okkulten) Texten.“